Shutter – (Linux) Screenshots deluxe

Prelude: warum über ein Screenshot-Tool schreiben

Wer denkt, dass für einen erfolgreichen Umstieg auf ein alternatives Betriebssystem wie Linux nur die “großen” Dinge (Hardwareunterstützung, Internetanwendungen, Multimedia-Codecs, Officeanwendungen mit Datenkonvertierung und so weiter…) entscheidend sind, der irrt. Zum echten Glücklichsein™ gehören eben auch die Kleinigkeiten, die alltägliche Prozesse “runder” machen und die man erst vermisst, wenn sie nicht verfügbar sind.

Screenshots aufzunehmen ist so eine kleiner, alltäglicher Prozess: wer digitale Werkzeuge direkt für den Kunden entwickelt, der kann auf eine gute visuelle Dokumentation nicht verzichten. Egal wie einfach die Oberfläche der Applikation auch sein mag, ein paar “Howtos” sind immer angebracht, und bei komplexen Umgebungen kann es auch sehr hilfreich sein, ein reich bebildertes Wiki aufzusetzen. Und jeder, der einmal eine solche Dokumentation erstellen musste, weiss, wie hilfreich dabei ein intuitives kleines Tool zum Aufnehmen von Screenshots ist.

Unter Linux habe ich genau diese Kleinigkeit lange vermisst…

Auftritt Shutter

Shutter Logo mit Link zur Webseite

Shutter (ehemals GScrot) ist kürzlich in Version 0.7 erschienen kürzlich in Version 0.7.1 erschienen und ist trotz seiner ziemlich kurzen Geschichte schon das IMO beste Screenshot-Tool für Linux. Aber konkret zu den Dingen, die Shutter zu einem Screenshot-Tool deluxe machen:

Basis-Funktionalität: Screenshots aufnehmen

Basis-Features von Shutter

Shutter kann

  • eine Auswahl des Bildschirms aufnehmen. Dabei stehen zwei Modi zur Verfügung:
    • Im einfachen Modus wird ein Rechteck aufgezogen, welches beim Loslassen der Maustaste sofort aufgenommen wird. Orientierung erhält der Benutzer dabei durch eine Bildschirmlupe, die den Bereich um den Mauszeiger stark vergrößert, und durch die Anzeige der Koordinaten und der momentanen Ausmaße der ausgewählten Fläche.
    • Im erweiterten Modus zieht der Benutzer auch ein Rechteck auf, kann dieses vor der Aufnahme aber noch anpassen. Der nicht zur Fläche gehörende Teil des Bildschirms wird dabei abgedunkelt.
  • den gesamten Bildschirm aufnehmen.
  • einzelne Fenster aufnehmen. Anstatt diese mühsam sichtbar plazieren zu müssen, zeigt Shutter dem Benutzer einfach eine Auswahlliste aller gerade geöffneten Fenster.
  • einen Bereich aufnehmen. Bereiche sind Untermengen von Fenstern, also z.B. die Menüleiste.
  • eine Aufnahme einer Webseite machen. Hier muss nur die URL der Webseite eingegeben werden, und Shutter nimmt die komplette Seite auf, unabhängig davon wie lang sie ist. Das lästiges Zusammenschneiden von langen Webseiten entfällt.

Diese grundsätzlichen Möglichkeiten lassen sich mit weiterführenden Optionen “verfeinern”. So kann die Verzögerungszeit bis zur Aufnahme eingestellt, ein automatisches Benennungsmuster für Screenshots (sehr praktisch bei der Aufnahme einer ganzen Reihe von Bildschirmphotos) angegeben und über die Mitaufnahme von Mauszeiger und Fensterrahmen entschieden werden – all diese Präferenzen lassen sich in eigenen Profilen abspeichern. Aufgenommene Screenshots werden in einer Sitzung zusammengefasst und stehen so schnell für die weiterführende Bearbeitung zur Verfügung.

Shutter Session mit allen bisher aufgenommen Screenshots

Fortgeschritten: Screenshots bearbeiten

Shutter bietet die Möglichkeit, aufgenommene Screenshots zu bearbeiten. Dabei handelt es sich nicht um ein vollständiges Grafikprogramm, sondern um eine kleine Werkzeugkiste mit Funktionen, die das Hervorheben von besonders wichtigen Aussagen im Bildschirmphoto möglich machen:

  • Anmerkungen: der Benutzer kann schriftliche Anmerkungen im Screenshot festhalten.
  • grafische Symbole: der Benutzer kann aus einer Vielzahl grafischer Embleme auswählen und diese in den Screenshot einfügen – oder eigene Icons importieren.
  • grafische Primitive: einfache Linien, Rechtecke und Ellipsen können zur Hervorherbung von Bereichen genutzt werden.
  • Zensur: persönliche Daten können einfach unleserlich gemacht werden

So kann es aussehen:

Mit Shutter bearbeiteter Screenshot

Mit diesen Funktionen lässt sich der größte Teil der benötigten Nachbearbeitung von Bildschirmphotos direkt in Shutter erledigen – sollte man doch einmal mehr Funktionalität benötigen, so ruft man einfach über das Kontextmenü das Grafikprogramm seiner Wahl auf, z.B. das GNU Image Manipulation Program (GIMP).

Die Kür: weitere Funktionalität durch Plugins

Shutter lässt sich durch Plugins erweitern, die dann auf die aufgenommenen Bildschirmphotos angewendet werden können. Je nach Kontext mögen die Erweiterungen mehr oder weniger nützlich sein, eine nette Beigabe sind sie auf alle Fälle. So können Screenshots direkt als PDF exportiert, mit speziellen Rahmen versehen oder als Puzzle gestylt werden. Im Moment werden schon > 10 Plugins mitgeliefert – aber wie wichtig diese Form des Applikationsdesigns generell ist und wieviel Potential in ihr steckt, lässt sich z.B. am Firefox Webbrowser beobachten.

Ein Beispiel für das Polaroid-Plugin:

Bildschirmphoto, bearbeitet mit Shutter Polaroid-Plugin

Welche Plugins in Zukunft noch für Shutter autauchen werden, ist spannend. Gute Ideen sind den Entwicklern aber jederzeit willkommen.

Shutter installieren

Wer Shutter jetzt unbedingt ausprobieren muss, der kann fertige Pakete für seine Linux-Distribution herunterladen – Ubuntu-Benutzer können das auf Launchpad gehostete Projekt ausserdem direkt zu den Paketquellen hinzufügen und erhalten so automatische Updates. Links zu den Paketen und zur Launchpad-Präsenz finden sich auf der Shutter-Downloadseite, ausserdem gibt es eine detaillierte Anleitung zur Einbindung der Paketquellen.

Viel Spaß beim Dokumentieren!

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