Linux, Windows, Mac? Vielfalt fürs Web!
In letzter Zeit hat sich wieder öfters gezeigt, wie wichtig vielfältige IT-Kompetenzen im Team gerade im Webbereich sind. Wer “fürs Internet” arbeitet, wird sich früher oder später ausserhalb des firmeninternen Technik-Biotops zurechtfinden müssen – und da sind zum Beispiel im Hostingbereich Linux-Systeme zahlreich vertreten, ob direkt in der Kunden-IT oder beim Massenhoster.
Standardisierungsversuche
Nun kann man natürlich versuchen, das Agentur-Team so homogen wie möglich aufzustellen und die entsprechenden Prozesse komplett arbeitsteilig zu organisieren – also entweder Spezialisten einstellen oder aber diese Kompetenzen komplett auslagern. Beides ist teuer – und im Outsorcing-Fall gibt es zusätzlich noch die üblichen Reibungsverluste durch schlechtere Kommunikation und geringere Flexibilität.
Das man es dann auch mal drauf ankommen lässt und so im Ernstfall oft ohne die nötigen Kompetenzen dasteht bzw. richtig viel dafür bezahlen muss, ist nicht verwunderlich – und hat eben viel mit einer falsch verstandenen Standardisierung innerhalb der Agentur zu tun. Anstatt vielfältige IT-Kompetenzen im eigenen Team aktiv aufzubauen und die Strukturen für eine effektive Zusammenarbeit systemagnostisch zu gestalten, wird die einfache Optimierung durch einheitliche Vorgaben auf System- und Applikationsebene gesucht. Man schafft eine reine Windowsumgebung und vergibt die Möglichkeit, ganz nebenbei im Tagesgeschäft neues Wissen aufzubauen.
Was aber dann, wenn das fertige Webprojekt schon auf dem Linux-Server liegt und der Kunde im letzten Moment doch noch Änderungen haben möchte, die sich per Remote-Verbindung auf der Kommandozeile in 5 Minuten erledigen liessen, sonst aber lokale Anpassungen und einen erneuten, zweistündigen Upload erforderlich machen würden?
Mehr Flexibilität durch interne Vielfalt
Alternativ zum scheinbar einfacheren Weg der Konformität auf allen Ebenen kann man dem Team aber auch Freiräume zugestehen und eine heterogene IT-Landschaft “riskieren”. Das mag zwar zu Beginn etwas mehr Aufwand (und Auseinandersetzungen) bedeuten, entspricht aber letztendlich der digitalen Realität “da draussen”, mit der sich Online-Dienstleister nun einmal beschäftigen müssen. Besonders in (zeit)kritischen Momenten zahlt es sich dann aus, wenn jemand in der Mannschaft schnell noch auf der Kommandozeile Apache-Weiterleitungen einrichten, Verzeichnisrechte einschränken oder Dateien umbenennen kann.
Zur Klarstellung: es geht nicht darum, Mitarbeiter als billigen Spezialistenersatz heranzuzüchten, sondern um ein gesundes Allgemeinwissen jenseits des eigenen Tellerrandes. Mac-, Windows- und Linuxbenutzer sind für jedes Team eine Bereicherung, denn sie zwingen zur Beschäftigung mit echten, stabilen Standards auf Daten- und Protokollebene und konsequenterweise zur Schaffung von praktikablen Schnittstellen – auf denen eben auch das beruht, was wir abstrahierend/vereinfachend “das Internet” nennen.
Ansonsten erliegt man leicht der Illusion, die eigene System-Monokultur sei repräsentativ…



Zumal dies auch die betriebswirtschaftliche Logik vorschreibt: die Spezialisierung auf eine System-Umgebung verschließt so manche Umsatztür …
Wobei ich Spezialisierung in vielen Kontexten für sinnvoll halte – bezogen aufs Internet aber ist ein breiterer Fokus meiner Meinung nach auch aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht längerfristig sinnvoll.
Wahrscheinlich mag ich das Web deswegen so…